Konjunkturbericht Q2Ölkrise wirkt sich aufs regionale Handwerk aus
Im Vergleich zu Q1 hat sich die Situation des regionalen Handwerks verschlechtert. Trotz Reformdruck in Deutschland und weltweitem Ölpreisschock ist der Anteil der Optimisten jedoch gestiegen.
73 Prozent der Handwerksbetriebe in der Region erwarten fürs zweite Quartal steigende Einkaufspreise. 44 Prozent rechnen damit, dass in der Folge auch die Verkaufspreise steigen werden. Das geht aus der Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Karlsruhe hervor.
Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung dürfte der Iran-Krieg – und somit die Rohölpreis-Explosion – sein. Aus Rohöl werden schließlich nicht nur Benzin, Diesel und Heizöl hergestellt, sondern beispielsweise auch Kosmetika, Kunststoffe, Farben, Lacke, Reifen, Reinigungsmittel. All dies benötigen die Handwerkerinnen und Handwerker.
Kammerpräsident Lamprecht: Steuern auf Sprit und Energie müssen befristet runter
„Viele Handwerksbetriebe geraten zunehmend unter Druck“, sagt Karsten Lamprecht, Präsident der Handwerkskammer Karlsruhe. „Befristet müssen die Steuern auf Benzin, Diesel und Energie runter – und dies rasch.“
Mit seiner Energiesteuer dürfe der Staat nicht zum Profiteur der Krise werden. Belastungen für Handwerk sowie Verbraucherinnen und Verbraucher ließen sich durch Steuersenkungen abschwächen.
Verschlechterung im Vergleich zum Vorquartal
Verglichen mit der Volkswirtschaft steht das regionale Handwerk immer noch gut da. Allerdings hat sich dessen Situation in den ersten drei Monaten, verglichen mit dem Vorquartal, verschlechtert. Nur noch 74 Prozent der Befragten sprechen von einer guten oder befriedigenden Geschäftslage – im Vorquartal waren dies noch 81 Prozent.
„Das Handwerk braucht spürbare Entlastungen bei Steuern, Energie und Bürokratie. Außerdem sind Sozialreformen nötig, um die Lohnzusatzkosten zu begrenzen“, fordert Walter Bantleon, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Karlsruhe. Die Erkenntnisse seien längst da. „Jetzt muss endlich gehandelt werden“, so Bantleon weiter.
Auswirkungen bei Zulieferern für Automobil- und Maschinenbauindustrie
Vergleichsweise gut ist die Geschäftslage mit jeweils 44 Prozent Nennungen im Ausbauhandwerk – zu ihm zählen Maler, Fliesenleger, Stuckateure – und im Gesundheitshandwerk.
Umgekehrt ist besonders das Handwerk für den gewerblichen Bedarf auffallend im Krisenmodus. 43 Prozent der Befragten sprechen dort von einer „schlechten“ Geschäftslage. Es ist just jenes Handwerk, das oftmals Zulieferer von Automobilindustrie und Maschinenbau ist.
Der Auftragsbestand im Handwerk für den gewerblichen Bedarf ist bei 60 Prozent der Befragten gesunken. Zum Vergleich: Für das regionale Handwerk gesamt lautet die Vergleichszahl hier 42 Prozent.
Dennoch optimistischer Blick
Entgegen aller Widrigkeiten stecken viele Handwerkerinnen und Handwerker nicht den Kopf in den Sand – trotz Reformdruck in Deutschland und weltweitem Ölpreisschock ist der Anteil der Optimisten gestiegen.
Mit Blick auf das aktuelle Quartal rechnen 30 (Vorquartal: 22) Prozent der Handwerker mit einer besseren Geschäftslage. 22 (Vorquartal: 27) Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. Vor allem im Kfz-Handwerk fällt mit 52 Prozent die zuversichtliche Stimmung auf.