Handwerkskammer Karlsruhe legt Konjunkturbericht vorIn rauen Zeiten hellt sich die Situation im regionalen Handwerk leicht auf

Nach einem vergleichsweise schwachen Halbjahr geht es den Handwerksbetrieben in der Region wieder besser. Aktuell bezeichnen 44 Prozent ihre Lage als gut – im Vorquartal nannten nur 37 Prozent diese Schulnote. 35 (zuvor: 36) Prozent sprechen von einer befriedigenden Situation. Dies ist das Ergebnis der jüngsten Konjunkturumfrage, die die Handwerkskammer Karlsruhe jetzt vorgelegt hat.

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Schmuckstücke vom Optiker: Schon bald beginnt wieder das Weihnachtsgeschäft. Auch das Gesundheitshandwerk blickt deshalb optimistischer ins Schlussquartal des Jahres.

Insbesondere im Bau- und Ausbauhandwerk, im Handwerk des gewerblichen Bedarfs mit seinen zahlreichen Zulieferern und bei den personenbezogenen Dienstleistungen – hierzu zählen etwa Friseure und Kosmetikerinnen – wird die Geschäftslage besser eingeschätzt als noch im zweiten Quartal.

Was allerdings ebenfalls auffällt: Der Margendruck bleibt hoch. 77 Prozent der Befragten registrierten gestiegene Einkaufspreise – nur 31 Prozent konnten aber höhere Verkaufspreise durchsetzen.

Lamprecht sieht die Politik in der Pflicht

Karsten Lamprecht, Präsident der Handwerkskammer Karlsruhe, sieht denn auch mehr denn je die Politik am Zuge: „Das regionale Handwerk hält noch stand – aber die Substanz schwindet. Aufträge werden zurückgehalten, Kosten fressen die Margen auf, Investitionen werden auf Eis gelegt. Wenn ein Geselle heute über sechs Stunden arbeiten muss, um sich eine einzige Handwerkerstunde leisten zu können, läuft etwas grundlegend falsch“, sagt Lamprecht.

Und weiter: „Mit Ankündigungen kommen wir nicht weiter, unsere Betriebe brauchen Entscheidungen: spürbar niedrigere Sozialabgaben, einen echten Bürokratieabbau, der im Betrieb ankommt, und Energiepreise, mit denen man kalkulieren kann.“ Jeder weitere Monat des Abwartens koste Arbeitsplätze auch hier in der Region.

Bantleon: Handwerk braucht Planungssicherheit

Das Handwerk wisse, was es an seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat, sagt auch Walter Bantleon. Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer verweist darauf, dass 81 Prozent der Betriebe die Zahl der Beschäftigten konstant hielten. Acht Prozent haben sogar ihre Belegschaft aufgestockt. Werksschließungen mit tausendfachem Job-Abbau oder Verlagerungen ins Ausland gebe es im Handwerk nicht. Nötige Planungssicherheit könne die Politik geben.

Bantleon: „Wer einen Betrieb führt, Mitarbeiter beschäftigt und investiert, muss wissen, welche Rahmenbedingungen morgen gelten. Das Handwerk ist bereit anzupacken, aber dafür muss die Politik jetzt den Reformstau auflösen und wieder Vertrauen in den Wirtschaftsstandort schaffen.“

Zahl der Optimisten hat sich erhöht

Doch wie sind die Erwartungen fürs letzte Quartal dieses Jahres? Die Zahl der Optimisten hat sich – eine erfreuliche Nachricht – um drei Prozentpunkte auf 18 Prozent verbessert. 54 Prozent der Befragten rechnen damit, dass die Geschäftslage bleibt, wie sie ist. Und wie im Vorquartal rechnen 28 Prozent damit, dass sich die Situation verschlechtert.

Auffallend ist, dass sich die Zahl der Optimisten im Nahrungsmittelhandwerk und im Gesundheitshandwerk deutlich vergrößert hat. Dies dürfte auch saisonale Gründe haben: Bereits im November beginnt das Weihnachtsgeschäft. Da gönnen sich – so die Erwartung – mehr Verbraucherinnen und Verbraucher beispielsweise eine schmucke neue Brille oder greifen zu Naschereien.

Die Handwerkskammer Karlsruhe ist Partnerin von knapp 20.900 Betrieben mit rund 114.000 Beschäftigten. Die Betriebe erzielten zuletzt einen Jahresumsatz von 18,2 Milliarden Euro. Zum Kammerbezirk gehören die Stadt Karlsruhe und der Landkreis Karlsruhe, die Stadt Pforzheim und der Enzkreis, der Landkreis Calw sowie die Stadt Baden-Baden und der Landkreis Rastatt.